Blutzucker und Blutfette

Eine Ernährung großenteils mit SEP und insofern mit wenig Kohlenhydraten beeinflusst außer der Körperzusammensetzung auch die Konzentrationen des Blutzuckers und bestimmter Blutfette.

► Blutzucker

Eine diätetische Kohlenhydratrestriktion steigert die Insulinempfindlichkeit. Dieses bei diabetischer Stoffwechsellage besonders wichtige Phänomen ist in Versuchsanordnungen mit Injektion sowie Infusion von Insulin und Glukose nachgewiesen worden („Glukose-Clamp“). Insulin unterdrückt die Glukoseproduktion in der Leber und fördert die Glukoseaufnahme in die Muskulatur. Beides läuft auf eine Senkung des Blutzuckerspiegels hinaus. Wen es interessiert, der mag fragen, ob nun auch beide Organe, also Leber und Muskulatur, die Besserung des Blutzuckerspiegels vermitteln.

Eine Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr vergrößert unverzüglich und für die ganze Dauer der Diät den Insulineffekt auf die Leber. Dagegen wird der Insulineffekt auf die Muskulatur nicht spezifisch durch Glukosemangel, sondern generell durch eine niedrig-kalorische Ernährung gesteigert. Für den Fall einer Kohlenhydratrestriktion ohne Kalorienrestriktion erklärt demnach nur die Umstellung des Leberstoffwechsels, dass die Zunahme der Insulinempfindlichkeit mit einem unmittelbar nach Mahlzeiten geringeren Anstieg des Blutzuckerspiegels verbunden ist. Im Gegensatz dazu bezieht eine gleichzeitige Kalorienrestriktion nach und nach auch die Muskulatur in die Abnahme der Insulinresistenz ein.

Reduktionsdiäten mit wenig Kohlenhydraten und viel Protein (SEP) haben zusätzlich den Effekt, dass es zwei Stunden nach Mahlzeiten und später weniger leicht zu einer „Unterzuckerung“ (Hypoglykämie) kommt. Die Aufnahme der zugeführten Glukose durch die Darmschleimhaut ist bis dahin beendet. Die Gefahr einer Hypoglykämie besteht in diesem Zeitabschnitt für den Fall, dass die Leber zu wenig Glukose neu bildet. Durch die Aminosäurenversorgung mit SEP wird jedoch die Glukoneogenese stabil gehalten.

So sind Probanden und Patienten mit einer prädiabetischen und diabetischen Stoffwechsellage durch eine hypokalorische Ernährung mit Einsatz von SEP bezüglich ihres Blutzuckers in beide Richtungen geschützt: unmittelbar nach den Mahlzeiten gegen relativ hohe und ca. zwei Stunden später gegen relativ niedrige Blutzuckerspiegel.

► Blutfette

Als letzte Auswirkung einer niedrigen Kohlenhydratversorgung sind noch günstige

Veränderungen im Fettstoffwechsel zu erwähnen. Sie bestehen darin, dass die Serumspiegel der Triglyzeride (Neutralfette) gesenkt  und die Konzentration des HDL-Cholesterins erhöht werden. Diese Effekte sind im Hinblick auf Folgekrankheiten (Gefäßschäden, Thrombosen, Bauchspeicheldrüsenentzündung) als positiv einzustufen.

Die Kombination eines Übergewichtes mit Bluthochdruck, Glukoseintoleranz und erhöhten Fettspiegeln, nämlich das sog. „metabolische Syndrom“, wird im Hinblick auf die Begünstigung von Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall als „tödliches Quartett“ bezeichnet. Reduktionsdiäten mit Einschränkung der Kohlenhydrate und reichlichem Angebot eines Proteins wie SEP sind gegen alle vier Komponenten des metabolischen Syndroms effektiv und haben keine Nebenwirkungen auf den Stoffwechsel erkennen lassen.

Autor: Prof. Dr. med. E. Holm

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